My Great Walk To Greece

Die letzten Kilometer
und nun was tun

Reisebericht Nr. 8. Der Finale. Und dann war´s das. Was soll ich erzählen. Lange war´s nicht mehr von Patras aus. 250 km noch. Immer entlang der Mittelmeerküste. Die letzten ca. 9% der insgesamt 2833km lange Route (Hab ich mit Google Maps ausgerechnet. Wobei da aber die Tagestouren in Städten usw. nicht eingerechnet sind).

Die Strecke war eigentlich recht schön. Auch war ich wieder auf dem Radweg EuroVelo 8   unterwegs. Das hat mir im Endeffekt aber nicht viel gebracht, da der Radweg nur schwer zu finden war. Und einmal musste ich meinen Karren über einen Damm bugsieren, der einen Fluss, der zum Glück nicht so viel Wasser führte, in Schach hielt. Filmaufnahmen habe ich davon auch, wie ich meinen Hänger barfuß durch den Fluss ziehe.

Highlight auf diesen letzten Kilometern war noch Korinth. Dort blieb ich dann zwei Nächte. Es war die zweite große antike Stätte, über die ich gestolpert bin (die erste war schon in Albanien). Auf Korinth habe ich mich wirklich gefreut. Und vor allem darauf, den Kanal zu überqueren. Und dort ein paar Selfies zu machen. Im Hostel in Korinth traf ich einen Franzosen, der Odysseus Reise, wie sie in der Odyssee beschrieben wird, nachsegeln wollte. Dokumentiert hat er das Ganze auch. Zumindest so lange, bis er den Rucksack mit seiner Kamera auf einer Brücke hat liegen lassen, die, um Schiffe durchlassen zu können, unter Wasser gesenkt werden kann. Zusammen packten wir sein in Reis, zum Trocknen, eingelegtes Kameraequipment aus. Funktioniert hat es dann trotzdem nicht mehr. Zwanzig Minuten Salzwasser waren doch etwas zu viel.

Was ich sehr faszinierend fand, ist, dass der Kanal erst vor 150 Jahren gegraben wurde. Bis dahin gab es eine Steinrinne, durch die die Schiffe über 6km Landweg gezogen wurden. Zumindest in der Antike. Man muss sich das mal vorstellen. Ein Schiff wird per Hand und Pferden über Land gezogen. Aber es war wohl einfacher als die ganze Peloponneshalbinsel umsegeln zu müssen.Von Korinth waren es noch drei Wandertage bis Athen. Die erste Nacht verbrachte ich auf einem Campingplatz und die zweite aufgrund eines Sturmes in einem Hotel. Kurz vor dem Campingplatz habe ich dann noch das dritte „Der kleine Prinz“ Graffiti, über das ich auf meiner Reise gestolpert bin, gesehen.

Dann brach der letzte Tag an. Wach war ich früh. Noch ein Selfie im Hotelzimmer. Und dann ging´s los. Das Wetter für den Tag war regnerisch angesagt, geregnet hat es einmal kurz, als ich gerade einen Kaffee trinken war.

Nach Athen rein war nochmal eine Tortur. Die schlimmsten Strecken waren fast immer direkt vor großen Städten. Wenn es nur stark befahrene Straßen gab. Athen ist an sich eine relativ kleine Stadt. Nur 800.000 Einwohner. Das ist aber nur so, da die Vorstädte extra gerechnet werden. Insgesamt sind es dann doch 3,9 Millionen Menschen die hier leben.

Und ich war mir sicher, dass am letzten Tag noch irgendetwas besonderes passieren musste, irgendetwas unnormales, nicht alltägliches. Und tatsächlich. Kurz nach den ersten Häusern ist mir noch einmal mein Anhänger umgekippt. Gerade als ich ihn einen Bordstein hochziehen wollte. Das ist mir seit Ungarn nicht mehr passiert. Seitdem habe ich höllisch aufgepasst. Dass sich die Achse der Reifen verbogen hatte war mir einmal genug. Aber davon habe ich ja in Reisebericht Nr. 4 schon erzählt. Zum Glück war dieser Unfall nicht weiter schlimm. Ein Bild machen. Alles aus und wieder einladen. Und das war´s dann auch. Aber trotzdem. Athen hieß mich in diesem Moment Willkommen.

 

Leider – ich habe schon fast damit gerechnet – habe ich kein einziges Ortsschild passiert. Also gibt es kein Selfie mit „Athen“ Aufschrift im Hintergrund. In der Dunkelheit bin ich dann zu meiner neuen WG gelatscht und wurde herzlich Willkommen geheißen. Und dort noch die letzten Meter auf die Dachterrasse, von der aus man die Akropolis sehen kann.

Résumé

 

Dann wird es wohl auch Zeit noch ein kleines Résumé zu verfassen, das beinhalten muss, dass ich gottfroh bin diese Reise gemacht zu haben. Ja, ich bin gottfroh sie gemacht zu haben. Da ich sie machen wollte. Geplant und ausgeführt. Warum aber weiß ich bis heute nicht.

Tatsächlich sind mir auf dieser Reise ganze zwei Dinge klar geworden über die ich eigentlich gar nicht viel nachgrübeln musste.

Und zwar, dass meine Liebslingsfarbe dunkelgrün ist und meine Lieblingstiere Schafe sind. Zumindest habe ich mich immer riesig gefreut, wenn mir eine Herde entgegenkam. Und das war in Albanien und Griechenland wirklich häufig der Fall. Deshalb gibt es hier auch so viel Feta.

Langsam verblasst der anstrengende Teil der Reise in meinen Gedanken immer mehr. Also der Teil, der bedeutet, sich 14 Stunden bei 40 Grad in der Sonne aufzuhalten, nicht zu wissen, wo ich die Nacht schlafen werde oder, wann ich das nächste mal Wasser finde. Und frustriert zu sein, alles zu verfluchen, sich zu fragen, warum ich es überhaupt angefangen habe.

Durch das Verblassen des harten Teils überwiegen die schönen Momente in der Erinnerung. Die Begegnungen, die Aussichten nach einem harten Aufstieg, die Tiere am Wegrand, die kleinen Geschenke, usw… es gibt so viele.

Empfehlen kann ich es auf jeden Fall eine solche Reise zu machen. Es muss ja nicht zu Fuß sein. Aber einfach mal die gängigen Lebenspfade zu verlassen und etwas neues auszuprobieren – finde ich immer gut. Und man lernt auch so viel. Über sich selbst und über andere.

Meinen Anhänger kann ich jetzt auf jeden Fall zur Verfügung stellen. Ich brauche ihn nicht mehr und weiß nicht so recht, was ich damit machen soll. Vielleicht will ihn ja jemand.

 

Auf 2020
Philipp

3 Kommentare zu „Die letzten Kilometer und nun was tun“

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