My Great Walk To Greece

Ein Monat Albanien und
noch ein Stück Griechenland

Ein Monat Albanien, ein ganzer Monat. Aufgefallen ist mir das, da meine SIM-Karte, die ich bei der ersten Möglichkeit erstand, fast abgelaufen war. Da habe ich erst registriert, dass ich ja schon fast einen Monat hier bin.

Den letzten Bericht habe ich in Shkodra, ganz im Norden Albaniens hochgeladen. Und nun bin ich in Griechenland. Verrückt ist das schon irgendwie. Ich bin da, ich bin angekommen, in Griechenland, da wo ich hinwollte, nach über fünf Monaten durch halb Europa, über den Balkan (der ist ja jetzt auch vorbei), bin ich angekommen, in Griechenland, in Griechenland, ich bin da, ich bin da, und kann es noch gar nicht fassen.

Die Grenze war einfach. Zwar musste ich bei der Ausreise meinen Wagen öffnen, ausladen, sogar meinen Koffer aufmachen, aber kurz danach wurde ich weitergeschickt, um einzureisen, endlich zurück in die EU, was noch einfacher war.

Aber nun gut. Albanien. Wie war´s, wie war´s. Ich kann es nicht sagen, beeindruckend, vielseitig, die Natur hat mich erst ab der Hälfte (dann südlich von Durres) fasziniert, davor war sie entlang meiner Strecke recht langweilig. Die Menschen waren freundlich, das ja, und wenn ich alle Einladungen angenommen hätte, da wäre ich wohl noch den restlichen Oktober dort gewesen. Trotzdem wird es sicherlich nicht mein Lieblingsland. Zu viel Müll überall.

Auch gab es während meines Aufenthalts eine Reihe von Erdbeben, von denen ich aber überhaupt nichts mitbekommen habe, obwohl ich eigentlich direkt im Einzugsgebiet war. Beim letzten Nachbeben wurde ich sogar am nächsten Morgen im Hostel in Durres gefragt, ob ich es gespürt hätte, was ich aber verneinen musste. Da habe ich wohl zu fest geschlafen.

Dort (in Durres) ließ ich dann für ein paar Tage meinen Karren stehen und nahm den Bus nach Tirana, also in die Hauptstadt.

Den Aufenthalt in Tirana hatte ich mir für ein Wochenende eingeteilt, um eine Nacht feiern gehen zu können, was dann auch so klappte. Solche Nächte sind für mich wichtige Aspekte beim Kennenlernen einer Stadt. Niemals würde ich früh aufstehen, um sie im Morgengrauen zu sehen. Das muss nach dem Feiern passieren. Zu sehen wie alles erwacht, die Touristenattraktionen ganz für sich zu haben, ein paar letzte ehrliche Unterhaltungen auf dem Heimweg zurück zum Hostel führen, noch etwas frühstücken, die ersten zum Morgen grüßen und sich dann für ein paar Stündchen hinzulegen. Nach fünf Stunden geht es mir dann normalerweise ausgezeichnet.

Nun, ich kann nicht sagen, wem die Geschichte Albaniens der letzten siebzig Jahre bekannt ist. Mir war es jedenfalls lange nicht bewusst, dass Albanien seit dem zweiten Weltkrieg, bis zum Fall des eisernen Vorhangs, eines der am meisten abgeschottetsten Länder überhaupt war.

Im Zuge dessen wurden über 200.000 Bunker errichtet. Zum einen, um die komplette Bevölkerung in diesen sichern zu können. Zum anderen, um, wie die Propaganda behauptete, einem zeitgleichen Einmarsch der USA und der UdSSR standhalten zu können. Da dieser aber nie geschah, konnte auch nie das Gegenteil bewiesen werden. Und diese Bunker sieht man heute immer noch überall. Meist sind es Kleinere zur Verteidigung. Aus Stahlbeton, rund, mit einem Durchmesser von ca. zwei Metern und einem Loch für die Schützen.

In einem Größeren (der zu einem Zeltplatz gehörte) habe ich sogar eine Nacht verbracht. Viele dieser Bunker stehen einfach da. Manche aber wurden umgebaut, oder einfach nur angestrichen und werden nun für andere Zwecke genutzt.

Was mich an Albanien auch noch fasziniert, ist, dass es im ganzen Land noch keinen einzigen Mc Donalds gibt. Generell habe ich nur wenige Ketten, seien es Kleiderläden oder Fast Food Restaurants, gesehen. Es gibt aber einen einzigen KFC. Und dieser steht direkt gegenüber des Hauses des ehemaligen Herrschers Enver Hoxha. Und das Maskottchen von KFC, von dem ein Bild groß über dem Eingang des Restaurants angebracht ist, schaut, sich seinem Triumph bewusst, direkt darauf.

Von Durres ging es dann weiter in den Süden, immer an der Küste entlang. Noch durch Vlora und dann nochmals über eine Gebirgskette, die für mich einen Aufstieg von null auf 1050m über dem Meeresspiegel enthielt. Als ich oben ankam war die Aussicht bewölkt, ich sah also nichts, traf aber beim Abstieg zwei Deutsche, die mit ihren Gleitschirmen auf ein Wolkenleck warteten um losfliegen zu können. Auf dem Weg nach unten genoss ich dann die Aussicht über das Meer, die, umso weiter ich aus den Wolken trat, immer besser wurde. Den zwei Gleitschirmpiloten winkte ich zu.

In Himara verbrachte ich dann noch einen Tag am Strand, aber nur einen, da ich weiterwollte. Raus aus Albanien. Nicht zuletzt, da eben mein restliches Datenvolumen ablief und ich plötzlich ohne Internet dastand. Das war eine harte Zeit.

Dann ging es zur Grenze, deren Überquerung ich oben ja schon beschrieben habe. Und dort in Griechenland weiter an der Küste entlang bis Preveza, wo es einen Autotunnel gibt, der unter einer Meerenge durchführt (ist aber nur knapp 1,8km lang). Da er zu Fuß nicht passiert werden darf googlete ich ein bisschen, bis ich herausfand, das Reisende mit großem Gepäck (Fahrrad, Trailer, etc.) einfach in die dort angebrachten Kameras winken müssen und dann von einem Transporter abgeholt und auf die andere Seite gebracht werden. Leider musste ich noch drei Stunden warten, da der besagte Transporter gerade unterwegs war. Danach ging es aber sehr schnell. Karren einladen, ab ins Auto und nach drei Minuten Fahrtzeit schon wieder ausladen.

Ihr seht, mal wieder habe ich ein Auto verwendet, möchte aber zu meiner Verteidigung sagen, dass dies nicht zählt, da Fähren ja auch nicht zählen und ich ja schon in Griechenland bin und das Ganze ja nur „My great walk to Greece“ heißt, ich also theoretisch in Griechenland machen kann was ich will.

Bis Patras waren es dann aber noch ein paar Tage, die aber sehr schnell vorbeigingen (wie eigentlich die ganze Reise, wenn ich es recht betrachte). Immer weiter entlang der Küste und nochmals mit der Fähre auf die Insel Peloponnes, die durch den Kanal von Korinth nun keine Halbinsel mehr ist, sondern eine Insel.

Vorgenommen habe ich mir diese Bericht in Patras hochzuladen. Das werde ich bestimmt auch schaffen (habe es geschafft). Von dort sind es noch ca. 8 Tage bis Athen. Zwischendrin liegt noch das bereits erwähnte Korinth, was ich unbedingt sehen will, vor allem auch aufgrund des Kanals.

Und dann war´s das. Endlich, in gewisser Weise. Und dann beginnt die Zeit all die Bilder, die ich geschossen, die Filme die ich gedreht und die Texte die ich geschrieben habe, aufzuarbeiten. Und zu sehen was damit geschieht. Jedenfalls bleibe ich vorerst etwas in Athen. Darauf freue ich mich. Auch, weil ich dem kalten Winter in Deutschland damit ein Schnippchen schlage. Und wie es dann weitergeht… wir werden sehen.

Philipp

 

Anhang

Es erschien ein kleiner Zeitungsbericht über meine Reise im Crailsheimer HT. Wer ihn lesen möchte findet ihn hier:

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