My Great Walk To Greece

Prag bis Wien

Nun, seit Tagen nehme ich mir vor, euch endlich mal wieder etwas Zeit zu widmen und zu berichten, was denn alles so passiert ist. Der letzte Reisebericht kam ja aus Prag. Frisch dort angekommen hatte ich ihn verschickt. Die Tage in Prag waren schnell vorbei, meine Tante und ich entschieden abwechselnd über unsere Unternehmungen. Sie wollte eher die traditionellen Touristenanlaufstellen besuchen, wohingegen ich fürs Kinderprogramm, also LEGO-Museum und Tretbootfahren zuständig war.
Dann plötzlich, nach vier Nächten mit dem Luxus in einem Bett schlafen zu können, wieder zu Fuß unterwegs, habe ich erst mal das Tempo heruntergeschraubt. Die täglichen 35km vom Anfang habe ich seither nicht mehr erreicht. Aufgrund ständiger Begegnungen und Sightseeing fehlt mir dazu einfach die Zeit. Schnurstracks ging´s Richtung Süden, immer an der Moldau entlang, bis ich dann nach Osten abbog und über 1000 böhmische Dörfer und unbefahrenen Landstraßen nach „Tábor“ und „Jindřichův Hradec“ gelangte. Von ersterer hatte ich mir eine schöne, sehenswerte Kleinstadt erhofft, wurde enttäuscht, konnte aber auf dem Zeltplatz Wäsche waschen und endlich die dritte Staffel von „Suits“ zu Ende schauen. Von der zweiten Kleinstadt hatte ich nichts erwartet und erhielt das, was ich mir von Tábor gewünscht hatte. Schöne Sache. 
Irgendwann kam mir dann in den Sinn, dass es kein Fehler wäre, noch einen Abstecher über Österreich zu machen, ein paar Tage an der Donau entlang zu gehen, erst nach Wien, dann nach Bratislava, und ihr einfach bis nach Ungarn folgen. Auch wenn der Kaffee in Österreich das dreifache vom tschechischen Preis kostet und das nicht die anfangs geplante Route war, gefiel mir diese Idee von Tag zu Tag besser. Und es war die vollkommen richtige Entscheidung. Zwar hatte ich erst seit zwei Wochen mit der Sprachbarriere in den böhmischen Dörfern zu kämpfen (bei wohlklingenden Namen wie „Horby“, „Zhostice“ und „Kladruby“ kann ich nun wirklich sagen, dass das alles böhmische Dörfer für mich sind), es tat trotzdem gut, endlich wieder ausgiebige Gespräche führen zu können. Und da mein bunter Anhänger für Aufmerksamkeit sorgt, kommen solche leicht zustande.
Und jetzt gerade, im Moment, in dem ich diese Mail zum Teil verfasse (aber wohl nicht versende), sitze ich hier, mit Blick auf die Donau, 500m auf dem Radweg zurück, ein romantisches Atomkraftwerk, das aufgrund einer Volksabstimmung nie ans Netz gegangen ist (wuhuu) und esse gleich zu Abend.
Viele schönen Dinge sind passiert in den letzte Tagen, ich hab einen neuen Strohhut geschenkt bekommen (das billige Ding, das ich mir in Prag gekauft hatte, verlor nach dem ersten Regen schon komplett seine Form), vorgestern Nacht habe ich im Garten einer Dame gezeltet, wurde von ihrer Familie wunderbar aufgenommen und königlich bewirtet und ich durfte zum ersten mal in meinem Leben (das war zwar schon in Prag, aber ist egal) eine klingelnde Telefonzelle beobachten (wer hat schon mal eine Telefonzelle klingeln sehen? Bitte schreibt mir das!)

Nun bin ich also auf dem Weg nach Wien (bei der Korrektur dieser Mail schon längst da) und es ist wirklich nicht mehr weit. Morgen Abend bin ich da und werde von den ehemaligen Mitbewohnern meiner ehemaligen Mitbewohnerin für eine Nacht aufgenommen (an deren Esstisch sitze ich gerade). Freitag geht´s dann wohl auf einen Campingplatz und abends wird endlich mal wieder eine Nacht dem Techno gewidmet. „Joyhauser“ legen auf, dem ein oder anderen hier werden sie wohl etwas sagen (Das letzte mal war im Roxy in Prag. Das ist jetzt schon ganz schön lange her, eine wirklich wunderschöne Location, ein altes Kino, das in einen Club umgebaut worden ist).
Sagen muss ich noch, dass ich in den letzten Tagen immer wieder den Eindruck hatte, dass die Österreicher wirklich Humor haben. Ich meine, sie bezeichnen „Mülleimer“ als „Mistkübel“ und „Plastiktüten“ sind „Sackerl“ (na ja, das hat jetzt nicht viel mit Humor, eher mit dem Dialekt zu tun) aber beispielsweise meinte eine ältere Dame, die ich auf dem Weg um Wasser gebeten hatte, und die mir dieses aus dem garteneigenen Brunnen gab, dass sie nicht nur ein Kohlekraftwerk gegenüber, sondern auch ein Atomkraftwerk (das vorhin erwähnte) und eine Müllverbrennungsanlage um die Ecke hätten. „Wir haben alles hier“, meinte sie mit ernstem Gesicht. 

Na ja, diese Mail soll jetzt auch nicht zu lang werden, nicht dass ihr noch die Lust am Lesen verliert, oder ich die Lust am Schreiben. Wobei, zweiteres wird nie passieren.Dann bis eines Tages

Fiat eich

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