My Great Walk To Greece

Philipps Reisen

Wenn der Trailer am letzten Tag der Reise nochmal umkippt...
Philipp und seine Gitarre "Amelie" in Nerja (Andalusien 2014)

Philipp hat eine besondere Reisevergangenheit. Ihn zieht es nicht wie die klassischen Backpacker unserer Zeit, mich zum Beispiel ;-), möglichst weit raus in die Ferne, nach Australien oder Südamerika, um dort sämtliche Erfahrungen der Superlative zu sammeln und als Adrenalin-Junkie zurückzukehren. Philipps Reisen haben bisher alle in Europa stattgefunden und sind gekennzeichnet durch eine besondere Art der Herausforderung. Vor allem Reisedauer- und -länge sowie die Art und Weise der Fortbewegung zeigen die Andersartigkeit seiner Reisen, die es ihm so ermöglichen, möglichst intensiv Land und Leute zu erfahren.

2013, mit gerade mal 20 Jahren, begibt er sich auf den Jakobsweg. Läuft über 1.300km durch Frankreich, Spanien und Portugal. Sein Handy schaltet er unmittelbar nach der Landung in Spanien für einen kompletten Monat aus. In dieser Zeit kauf er sich eine Gitarre, druckt sich in einem Internetcafe ein paar Accordtabellen aus und bringt sich das Spielen selber bei. Auf seiner Gitarre, die den schönen Namen „Amelie“ trägt, lässt er jeden unterschreiben, der mit ihr gespielt hat.

Es ist seine erste Reise, bei der er sich die „One picture a day“ – policy auferlegt. Dies, um sich bei jedem Bild Gedanken darüber machen zu müssen, ob genau dieses Bild das einzige Bild des Tages wert ist oder nicht.

Bei der zweiten nennenswerten Reise entscheidet er sich für das Fahrrad als Fortbewegungsmittel. Er lässt sich von seinen Eltern sein Mountainbike aus Deutschland nach Andalusien per Post schicken, was ihm dann aber leider direkt in einem Hostel geklaut wird. Kein Hindernis für Philipp: Er kauft sich in Malaga ein gebrauchtes Rad und einen Kinderanhänger und zieht diesen, beladen mit Zelt, Gitarre und über 20 kg an Büchern einmal quer durch Andalusien. Leider bleibt kein Platz mehr für Amelie. Sie bleibt zurück in Spanien.

Es geht insgesamt rund 4.500km über Barcelona nach Frankreich, weiter zum Atlantik und von dort aus zurück nach Deutschland. Kurz vor der Grenze bricht noch die Achse des mit mindestens 50kg hilflos überlasteten Kinderanhängers. Schnell muss für die letzten drei Radtage noch ein neuer Anhänger her – aber wofür gibt’s Ebay-Kleinanzeigen 😉 ?!

Philipp auf seiner Fahrradreise von Andalusien nach Deutschland
Campen in dem unberührtesten Stück Land, welches ich jemals betreten habe (der Kreis in einer Autobahnauffahrt)
Philipp auf seiner Fahrradreise von Andalusien nach Deutschland

Nach Spanien und Frankreich ist nun Italien an der Reihe. Dort trampt er mit einem Longoard (das er aufgrund seinem schweren, voll bepackten Rucksack nicht fahren kann) und einer Hapi Drum (eine kleine Version einer Hangdrum, die für Straßenmusik zu leise ist,) herum. Beim Warten auf die nächste Trampgelegeheit bringt er sich das Jonglieren und behält diese Leidenschaft bis heute.

Am Besten lässt es sich jedoch im eigenen Land trampen. Vor allem im Osten, sagt Philipp.

Zum ersten Mal beschäftigte er sich mit dem Thema „Reisedokumentation“, nachdem er durch Katalonien getrampt ist. Wieder hatte er sich zum Ziel gesetzt, jeden Tag nur ein Foto zu schießen, um ausschließlich daraus einen zweistündigen Vortrag zu gestalten. Hierbei ging es viel um Gaudi und Dali, den spanischen Bürgerkrieg und die dortige Unabhängigkeitsbewegung. Und so war auch der Titel des Vortrags „Mein Katalonien“ nach George Orwells gleichnamigem Buch gewählt. Dieser Vortrag, oder vielmehr, der Applaus, der auf den Vortrag folgte, ermutigte Philipp sich weiter mit der Thematik der Reisevorträge zu beschäftigen. Die Menschen schien es zu interessieren, wie er denkt, was er für wichtig erachtet und wie er all dies dem Zuschauer nahe bringen kann.

2019 folgt dann die Reise zu Fuß von Dresden nach Athen. Es „geht“ im wahrsten Sinne des Wortes Richtung Südosten, wo er zuvor noch nie gewesen ist.

Im Frühling 2019 kündigt er seinen Job als Mechatroniker bei einer Firma, die sich mit Power to gas und Power to liquid Prozessen beschäftigt und führend in der Herstellung von Hochtemperaturelektrolyseanlagen ist (extrem wichtig, um die Energiewende in Deutschland hinzukriegen).

"Mein Katalonien" - ein Reisebericht von Philipp Kosmos

 Die auf den Windowsrechnern angezeigten Startbilder, von wunderschönen Orten dieser Welt in der Produktionshalle, weckten dann aber wieder das Fernweh. Und so entstand die Idee, einen alten DDR Mofaanhänger über Ebay-Kleinanzeigen zu suchen, umzubauen und den „great walk“ (an)gehen zu können.

Immer wieder wird Philipp gefragt, warum er diese Reise macht. Warum einen 60kg schweren Karren von Dresden nach Athen schieben. Auch wenn eigentlich fast jeder auf eine äußerst tiefgründige Antwort hofft, bleibt genau diese aus. Die Antwort besteht oft einfach nur aus der Gegenfrage „Warum nicht“ oder aus der Erkenntnis, dass er die Länder und Orte unserer Erde am liebsten zu Fuß erkundet. Bei der Fahrradtour ging es ihm alles etwas zu schnell…

Philipp am Donauradweg in Österreich

Und wer sich jetzt fragt, wie Philipp sich das alles finanziert, dem sei so viel zu sagen: Philipp ist in gewisser weise ein Lebenskünstler, von dem sich so mancher, der gerne etwas in seinem eigenen Leben ändern würde, eine Scheibe abschneiden kann. Und wer mehr wissen möchte, kommt einfach zu unserer hoffentlich stattfindenden Kinotour im Frühjahr 2022 und fragt ihn das selber 🙂

Man sieht sich dann also in den Kinos 🙂 Bis dahin, wir freuen uns schon!

(kh)

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