My Great Walk To Greece

Von Belgrad über das
dinarische Gebirge bis Podgorica und noch ein Stück weiter

Von Belgrad nach Podgorica, also von Hauptstadt zu Hauptstadt. Von der serbischen zur  montenegrinischen. Wobei zweitere erst seit 2006 Hauptstadt ist. Denn davor hieß es noch “Serbien-Montenegro“ mit Belgrad als Regierungssitz. Jetzt ist es “Serbien“ und “Montenegro“.

Aber was ihr wollt und was ich euch um Gottes willen nicht vorenthalten will, sind Geschichten, erlebte, erfahrene, erfühlte Geschichten, die gleich kommen, eine nach der anderen, bääämmm… das ist mir passiert. Und das habe ich erleben dürfen… und das…  und das und das auch. Aber lasst uns konkret werden.

Nun ja. Aus Belgrad bin ich raus, Benne, der gute Benne, hat mich noch ein Stück begleitet, bevor er dann zum Flughafen musste.

Zwei Tage lang war die Strecke doch recht flach, ohne viel Gebirge. Aber dann, als ich 26 Jahre wurde, das habe ich mir so gewünscht, nach Valjevo, fingen die Hügel an, die sich dann langsam, nach und nach, zu stattlichen Bergen entwickelten, die ich alle, mit viel viel viel Kraftanstrengung inklusive meines Trailers überschritt. Viele hundert Kilometer Gebirge waren das gewesen, genauer gesagt, viele hundert Kilometer des dinarischen Gebirges, aber jetzt, in Shkodra (Albanien) sitzend, habe ich diese Kräftemessen längst schon wieder vergessen.

Aber Geschichten wollte ich erzählen, nicht unwichtige Aufzählungen von Fakten, Geschichten sollten es sein, Erlebtes, Erfühltes, Erspähtes. Ja, nun ja. Während der Tour, der Strecke zwischen Belgrad und Podgorica habe ich zwei mal Urlaub gemacht, Urlaub von meinem “hard walking life“ (ach, ich liebe dieses Wortspiel).

Das erste Mal, da ich das Ladekabel meines Laptops in Valjevo in einer Pension vergessen hatte. Erst recht spät habe ich dies bemerkt, da ich es für einige Zeit nicht gebraucht habe. Als der Akku meines Laptops dann aber doch erschöpft war, war es nicht mehr da und ich strengte meinen Geist an, um zu erdenken, wo ich es gelassen haben könnte. Dann fiel mir diese Pension ein, in der ich an meinem 26. Geburtstag gewesen war. Nun, die Optionen es zurückzuerhalten waren zum einen, es mir entweder zuschicken zu lassen (aber wer weiß wann ich es dann wiedergehabt hätte) oder  die von mir bevorzugte Variante zu nutzen: Mit dem Zug von Priboj nach Valjevo zurückzufahren und das Kabel abzuholen. Zwar verlor ich dadurch eine halbe Nacht und einen halben Tag, bekam das Kabel aber sofort wieder. Mit ganz schön viel Aufregung war das verbunden. Einfach so, in einem fremden Land, in einer fremden Stadt, mit fremden Menschen des nachts in einen fremden Zug zu steigen, mich auf einen fremden Sitz zu setzen und zu hoffen, diesen an der richtigen Stelle in eine nicht ganz so fremde Stadt zu verlassen. Ach ja, es mag vielleicht nicht ganz aufrichtig klingen, aber welch ein Abenteuer, das Größte bisher. Ich freute mich darauf.

Des nachts stieg ich dann in den Zug, schlief drei Stunden, kam mit dem Sonnenaufgang in Valjevo an und sah die Stadt in der Pracht des Morgens.

Der zweite Urlaub, den ich mir gönnte, war ein Festival, das ich am Mittelmeer besuchte. Vier Nächte ließ ich meinen Trailer in einer Pension in Pljevlja, schon Montenegro, und fuhr mit dem Bus zur See, um Größen wie Sven Väth, Richard Hawtin, Eelke Kleijn und Recondite zu sehen. Von letzteren zwei habe ich mir ein Autogramm geholt, was meine Sammlung von Techno DJ Signaturen um volle zwei erweitert. Tatsächlich fühlte es sich wirklich an wie Urlaub, denn die Strecke, die ich zu dieser Zeit beschritt (das Dinarische Gebirge) war die bisher Härteste auf der gesamten Wanderung. Es ist unbeschreiblich anstrengend meine bunte 60kg Box über 800 Höhenmeter hochzuschieben. Und genau deshalb macht es extremst stolz, wenn man dann nach vielen Stunden den Pass erreicht hat. (Ich wollte mal nachsehen wie sich die Kraft, die ich aufbringen muss, um meinen Trailer noch oben zu schieben, verhält, umso steiler der Berg wird. War das nicht explosionsartig? Und mit welcher Formel kann ich die Kraft berechnen? Das kann mir sicherlich jemand sagen.) Und auch die Zufriedenheit bleibt nicht aus. Ich meine, ich bin kein sonderlich sportlicher Mensch, vor allem deshalb, da ich, wenn ich doch mal eine Runde Joggen war, nie viel Passion hatte diese Strecke länger und länger werden zu lassen. Bei einer solchen Tour, wenn das Ende nicht in direkter Nähe liegt und Aufgeben keine Option ist, muss ich einfach durch, egal wie steil oder schwer die Strecke ist. Beim Joggen, wenn die Wohnung nur wenige Meter von der eigentlichen Strecke entfernt liegt, nimmt man doch schon mal die kürzere Route. Und Montenegro war bisher ohne Zweifel auch der schönste Teil der Strecke.

Auch will ich noch erwähnen, dass ich auf meiner Reise doch durch Bosnien-Herzegowinia gekommen bin. Zwar nur für zwei Stunden, da die Strecke sich so anbot, kann es jetzt aber als sechstes durchwandertes Land mit auf meine Liste setzten.

Ein Highlight im Gebirge war sicherlich der Durmitor Nationalpark mit der Tara Schlucht. Dort hatte ich, mit Blick auf die bekannte Brücke über die Tara Schlucht meinen ersten Bungalow, der mit nichts als einem Bett ausgestattet war. Den nächsten Morgen erhielt ich dann noch einen kostenfreien ZIP-Line Ride über die Schlucht, der mir zuteil wurde, da die dortigen Amüsementdiener ihre Begeisterung über meinem Trailer und von meiner Art des Reisens nicht verbergen konnten. So ging es mir oft in Montenegro. Es verging kaum ein Tag, an dem ich nichts geschenkt bekam. Mal war es Honig, mal ein Frühstück, mal eine Einladung zum Kaffee. Welch eine hervorragende Gastfreundschaft die Menschen in Montenegro doch besitzen. Und da ich nun im gesamten fast sieben Wochen in serbischsprachigem Gebiet unterwegs gewesen war, konnte ich zum Ende hin doch immer mehr Brocken verstehen und auf die standardmäßigen Fragen, woher ich komme und wohin ich gehe, doch ganz gut antworten.

Zum Ende nun will ich noch über Podgorica berichten: Was für eine Stadt. Das pure Leben herrscht hier. Kein Tourismus. Kein Fünkchen davon. Nur drei Geocaches gibt es hier. Und das für eine Hauptstadt.

Fünf Nächte habe ich hier verbracht (die zweitlängste Pause bisher), habe mich ausgeruht, Kram erledigt, der erledigt werden musste und meine Sammlung an besuchten Hard Rock Cafes auf 15 erhöht. Und… eines der Highlights des Besuches und auch einer der Gründe (wobei das Hard Rock Cafe doch ausschlaggebend war), war ein Interview mit dem montenegrinischen Fernsehen. Jetzt bin ich berühmt in Montenegro. Alle haben es gesehen. Die Leute halten nun an der Straße an wenn sie mich sehen. Und verhalten sich als ob sie einen Star treffen würden. Zumindest in Montenegro bin ich das jetzt auch. Zumindest für fünf Minuten. 21.000 Klicks hatte mein Video nach nur zwei Tagen. Das bedeutet, dass jeder 30. hier mein Video gesehen hat. (Montenegro hat 622.000 Einwohner). Wer sich das Video ansehen möchte findet es hier:

http://www.rtcg.me/vijesti/drustvo/252179/crna-gora-je-italija-u-malom.html

Aber zurück zu Podgorica. Diese Stadt ist toll. Hatte vorher nur schlechte Rezessionen gehört und bin ohne Erwartungen hin. Und wurde komplett überwältigt. Es gibt eine alte Festungsruine, eine riesige Markthalle, einige Parks, einen wunderschönen Fluss, der sich mitten durch die Stadt zieht und in dem man auch baden kann und ein Hard Rock Cafe. Dazu kommt noch, dass die Stadt von Bergen umringt ist, eine wunderschöne Kulisse. Und… keine Touristen. Gut, ab und an sieht man mal einen, oder auch zwei. Aber mehr? Ich wüsste nicht. Auch das Hostel, in dem ich die fünf Nächte verbracht habe, hätte nicht besser sein können. Groß, geräumig, mit schönem Garten, Pool, Dachterrasse, usw. Aber, wenn ihr einmal nach Podgorica gehen solltet, dann nehmt euch nicht zu viel Zeit, sonst werdet ihr nur enttäuscht. Vielleicht habe ich eure Erwartungen jetzt sehr hoch geschraubt. 

 

Heute Morgen bin ich vom Gesang des Muezzins aufgewacht. Um kurz nach fünf. Als ich dann auf die Straße trat waren fast ausschließlich Straßenhunde unterwegs, die vereinzelten Fahrradfahrern nachjagten. In den nächsten drei Wochen werde ich diesen Gesang wohl noch öfters hören. Willkommen in Albanien.

 

Philipp

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