My Great Walk To Greece

Von Wien über Bratislava
und dem Balaton bis
Magyarhertelend

Sodala, hier ist er, Reisebericht Nr. 4. Nach einer recht langen und sehr ereignisreichen Strecke, die mich durch den Rest Österreichs, über den eisernen Vorhang in die Slowakei und schließlich nach Ungarn geführt hat.

Aber vorerst zum Allgemeinen. Mit dem Erreichen von Magyarhertelend (ein kleines Dörfchen in Südungarn, in dem ich jetzt, da meine Tante und mein Onkel hier ein Ferienhaus haben, für ein paar Tage bleibe), bin ich schon ca. 2/5 meiner geplanten Strecke gelaufen. Ungefähr 1000km sind das, genau weiß ich es aber selbst nicht. Jedenfalls wird es Zeit, sich meinen Körper etwas erholen zu lassen, nächste Woche die Heimat und dort die Hochzeit meiner Cousine zu besuchen und endlich mal die knapp 2000 Bilder zu durchforsten, die ich bisher geschossen habe. Nur das muss warten, ihr seid zuerst dran. Also dann.
In Wien hatte ich wirklich eine tolle Zeit. Ich habe mir dort ein Fahrrad ausgeliehen, eines dieser Damenräder, das drei Gänge und einen Korb vorne hat, und bin damit durch die Stadt gedüst (dies aber immer in Ehrfurcht an Stefan Zweigs Erzählungen, aus denen ich einige Wiener Straßen kenne). Ich war im Burgtheater (bei der guten alten Antigone), bei der EuroPride, auf dem Naschmarkt und auf dem Prater, dessen Leuchten und Treiben nur wenige Meter von der Wohnung, in der ich beherbergt wurde, entfernt war.
Die drei Nächte dort waren aber schnell vorbei und die Strecke nach Bratislava auf dem Donauradweg war geprägt von Schnaken, die wohl in den Donauauen beste Bedingungen haben, um ihre Eier zu legen. Auf dieser Strecke habe ich noch zwei weitere Male in Gärten gezeltet, was sich als höchst aufschlussreich erwies, da ich viel über die ehemalige Zeit des eisernen Vorhangs, der nur noch wenige Kilometer entfernt gewesen war, erfuhr.
Bratislava hat sich für mich als wahre Perle entpuppt. Drei Nächte war ich dort, bin viel durch die sehr sehenswerte Altstadt gewandert und hatte schon beim ersten Betreten ebendieser die Gewissheit, dass mir hier zwei Nächte nicht reichen würden. Ein Hard Rock Cafe gibt es leider nicht, dafür aber eine wirklich schön wiederaufgebaute Burg und eine Brücke, die eine Aussichtsplattform mit Restaurant besitzt, welches im Volksmund „das Ufo“ genannt wird und die nach dem Slowakischen Nationalaufstand von 1944 gegen die deutsche Wehrmacht benannt ist.
Und dann, Ungarn, endlich. Singend (trotz Regen) habe ich die Grenze genommen, die Donaubrücke, die mich noch trennte. Einer der größten Glücksmomente der bisherigen Reise. Das erste Ziel dort, schon kurz hinter der Grenze, war Györ. Eine Stadt, die für ungarische Verhältnisse als Großstadt gilt, da nach Budapest (1,75Mio) die zweitgrößte Stadt nur knapp 200.000 Einwohner hat (Györ hat 130.000). Zwei Nächte dort auf einem Campingplatz mit meinen Eltern, die mich auf meiner Reise besuchten und kurz vorher auch in Bratislava gewesen waren, es aber dort, was mir etwas unverständlich ist, nicht sonderlich mochten.
Kurz danach, auf dem Weg zwischen Györ und dem Balaton (Plattensee) ist mir etwas passiert, von dem ich nicht sagen will, dass ich es bereue, da ich von Reue generell nicht viel halte, aber von dem ich sagen kann, das es mir schwer fällt, es als Teil meiner Reise zu akzeptieren. Ich bin 35 Kilometer mit einem Auto mitgefahren. Drei Straßenarbeiter, die gerade an einer Straße gearbeitet hatten, die für Autos (für Fußgänger nicht) gesperrt war, überredeten mich, meinen Trailer bei ihnen einzuladen, was nicht sonderlich schwer war, da die Strecke, die mir bevorstand, mehrere Kilometer steil bergauf ging. Im Endeffekt sind es dann 35 Kilometer geworden, die ich nicht zu Fuß gegangen bin, die ich in einem Auto saß, mich mit Gesten und meinem ungarischen Anfängervokabular unterhielt und die drei nach ihrer Meinung über Viktor Orbán fragte. „Jó“, war ihre Antwort, übersetzt: „gut“. Als ich sie darauf ansprach, dass Orbáns Politik für Europa nicht die Beste sei, lachten sie nur.

Verschweigen will ich aber nicht, dass ich versucht habe, die 35 gefahrenen Kilometer wieder gutzumachen, indem ich um den Balaton herumgelaufen bin, anstatt einfach eine Fähre zu nehmen (was ich seltsamerweise nicht als Betrug gewertet hätte).
Am Balaton habe ich dann noch vier Budapesterinnen (Ich vergesse es ständig, aber die richtige Aussprache der ungarischen Hauptstadt ist „Budapeschd“) kennengelernt, denen sofort der Schriftzug „La vida sin techno no tiene sentido“ auf meinem Wagen gefiel, da eine von ihnen „Lavida“ hieß und sie alle auch Technofans waren. Wir unterhielten uns, ich aß zeitgleich meinen ersten Lángos in Ungarn und erhielt das Angebot von ihnen, im Garten ihres Hauses zu zelten, das ich gerne annahm.
Den Balaton habe ich dann nach einer weiteren Nacht auf einem Campingplatz, auf dem ich die zweite Jonglageshow dieser Reise hatte, verlassen und bin am nächsten Tag von dort, vom Meer (an einer der kürzeren Seiten des Balatons, vom Balkon des Hauses der vier Budapesterinnen aus, sah man das andere Ende des Sees nicht, weswegen ich mir gestattet habe, den See schon als Meer zu sehen (und es gibt wohl wirklich einen Film (anscheinend ein Agentenfilm), in dem dieser als Meer bezeichnet wird und jemand dort mit einem Segelboot, in der Annahme, es sei wirklich ein Meer, in See sticht (kennt jemand diesen Film?)), in Richtung Süden, immer noch mit schlechtem Gewissen, aber keiner Reue, aufgebrochen, um in den schlimmsten Tag zu starten, den ich auf dieser Reise bisher erlebt habe. Aber dieser bedarf einer etwas ausschweifenderen Erklärung.
Also, ich stiefelte los, wollte einem bestimmten Wanderweg folgen, der mich einen steilen, nicht geteerten, nicht einmal geschotterten, nein, nur aus trockener Erde bestehenden Weg hinaufführte, die mir, das Gewicht des Karrens schiebend, ständig unter den Füßen weggerutschte und mich eine enorme Kraftanstrengung gekostet hat. Zudem wurde ich von einer Biene gestochen, habe mich dort in der ungarischen Hügellandschaft total verlaufen und hatte noch zusätzlich einen Unfall (nein, vielleicht ist Unfall das falsche Wort, mein Trailer rutschte einen kleinen Hügel hinunter), bei dem eine der Holzstangen, mit der ich ihn schiebe, einen Knacks bekam und sich die Halterung eines Reifens verbog. Aber, alles verfluchend, habe ich die Rechnung ohne die ungarische Hilfsbereitschaft gemacht (ich habe schon so viele großartige Ungarn getroffen). Es war ein Kuhhirte zugegen, der mir dabei half, meinen Anhänger wieder provisorisch herzurichten. Am nächsten Tag dann, nachdem ich mich vorsichtig, jede kleine Unebenheit in der Straße meidend, bis ins nächste Dorf vorgekämpft hatte, traf ich dort in einer Bar zwei Männer, die mir aus meiner misslichen Lage halfen, mich ins nächste Dorf brachten, wo ich neue Achsen für die Räder kaufen konnte und mir halfen diese einzubauen. Ich kann nicht sagen, wie dankbar ich war.
Und jetzt bin ich hier, in Magyarhertelend. Einen großen Teil meiner Kindheit habe ich hier verbracht und war deshalb gespannt darauf, was sich alles in den schätzungsweise 12 Jahren, in denen ich nicht mehr hier gewesen bin, verändert hat. Für mich ist es immer interessant Orte meiner Kindheit zu besuchen und zu sehen, was ich noch kenne und den Moment einer plötzlichen Erinnerung, die aus dem Unterbewusstsein wieder zu Tage kommt, zu erleben. Die erste dieser Art wurde mir in Sásd zuteil, ein Hochhaus, das im untersten Geschoss einen Asia Allesladen und einen Supermarkt beherbergte und in dem wir früher öfters gewesen sind. Ein gutes Gefühl.
Vorgestern habe ich dann den Tag in Pécs, noch so eine ungarischen Großstadt (ca. 145.000 Einwohner), verbracht, war auf dem riesigen Flohmarkt, der hier jeden Sonntag stattfindet, habe viel zu viele Bilder geschossen (in einem Buch über Fotografie habe ich gelesen, dass Märkte großartige Orte zum Fotografieren sind), bin dann ins Stadtzentrum gelaufen, war beim Frisör (musste nochmal vor der Hochzeit meiner Cousine sein) und habe das Wetter genossen, welches nach vielen Tagen der Hitze endlich mal wieder ein Gewitter ankündigte (auch etwas, dass mich an Stefan Zweig denken lässt. Es gibt eine Geschichte von ihm, in der ein Mann seit Tagen der Schwüle den Regen herbeisehnt, das Gewitter kommt, er es erwartet, hinausgeht und es in Empfang nehmen will und es sich, nach ein paar Tropfen der Abkühlung, sofort wieder verabschiedet und ihn in Enttäuschung und Verbitterung „im Regen stehen“ (haha, kleiner Witz) lässt. Sich dieses über mehrere Stunden langsam steigerte und es schließlich wirklich zu regnen begann, was mich als Fotografierenden zu wunderbaren Motiven brachte.
So nun soll es aber genug sein, der Text ist ja jetzt auch schon ganz schön lang geworden. Herzlichen Glückwunsch an jeden, der bis hierhin durchgehalten hat. Und, weil mir zugetragen wurde, dass sich mein letzter Bericht so gut las, dass sein Ende extremst plötzlich und unerwartet kam, warne ich hier und jetzt euch Leser vor.

Also, … Vorsicht, … es kommen nur noch wenige Worte. Es ist gleich soweit… Fast… Jetzt

Egészségedre

1 Kommentar zu „Von Wien über Bratislava und dem Balaton bis Magyarhertelend“

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